An den Tagen, an denen ich in die Uni muss, klingelt der Wecker um 7 Uhr morgens...aber da kann ich nicht sofort aufstehen, ich habe ja nicht um sonst die Schlummertaste an dem Handy gefunden. Das war auch nicht so leicht, denn das Menü ist komplet auf japanisch, daher kenne wir nur die Basics die wir brauchen, also abnehmen, auflegen und im Telefonbuch die Nummern finden. Daher war die Entdeckung der Schlummertaste schon was ganz besonderes und sollte daher auch genutzt werden. Um 7.10 ist aber dann schluß mit Schlummern, dann heißt es to get ready for school. School ist auch das Stichwort wenn es um die Uni hier geht, aber dazu etwas später. Nach dem man sich fertig gemacht hat und sich etwas gestärkt hat, kopft es auch schon an der Tür oder ich mache mich auf den Weg in den vierten Stock und klopfe bei Maria. Gemeinsam schwingen wir uns auf unsere Fahrräder und radeln in Richtung Uni. Wir haben 8 km vor uns und haben daher viel Zeit um die Ereignisse des Abends zu besprechen. Entlang des Oita River radeln wir die erste Hälfte und sind noch ungestört. Kurz vor der Brücke die, die zweite Hälfte der Fahrt einleutet, holen uns auch schon Michael und Pascal ein. Dann wird zu viert weiter gefahren. Unsere Wege trennen sich allerdings noch Mal auf den letzten 300 Metern. Denn da geht es Berg hoch. Die Herren wollen ja nicht als Schwach da stehen und kämpfen sich hoch, auch wenn sie nass oben ankommen aber hauptsache auf keinen Fall absteigen und schieben. Wir Damen dagegen nehmen den eleganteren Weg und schieben unsere Fährräder hoch. Viel Zeit bleibt da nicht mehr übrig, vielleicht noch ein Kaffee aus der Dose und schon geht es mit der "Vorlesung" los. Wer kann sich an einen Kurs an unserer Uni in Paderborn erinnern, in dem wir mit max. 10 Leuten waren. Keiner, das ist richtig...in unserer Uni sind wir es gewohnt ein volles Audimax vorzufinden. Um 9 Uhr sitzen wir mit 10 Leuten in unserem Japanisch Kurs. Da wir nie was mit Japanisch vorher gemacht haben, wurden wir ohne weiteres in die Japanisch Stufe 1 eingestuft und kämpfen uns jeden Tag durch die Vokabeln und Grammatik der Sprache. In Unterrichtsform versucht uns Kumamoto Sensei (so werden Lehrer und Profs hier genannt) mit viel Geduld die Sprache näher zu bringen. Bei manchen hat sie wohl Hoffnungsschimmer aber bei anderen hat sie alle Hoffnung aufgegeben. Aber zum Ende der Stunde und vorallem nach einer doppel Stunde Japanisch, rauchen bei allen die Köpfe und die Fragezeichen füllen den ganzen Raum.
Ein weiterer Kurs, den wir in Oita besuchen heißt „Japanese Management – A practical Perspective“. Für diesen Kurs kommt ein Professor von der Beppu Universität (IPU) nach Oita um uns das japanische Mangagement System bei zubringen. Neben der Vorlesung, wurde der Stoff noch einmal bei einer Runde Barbecue oder Mittagessen vertieft. Für Bahau-sensei steht die zwischenmenschliche Beziehung an oberster Stelle.
Um den Stundenplan komplett zu machen, steht Donnerstagnachmittag wieder Nageike-sensei mit Japanischer Geschichte und Kultur auf dem Plan. So ähnlich heiter wie in dem Manga Kurs, geht es auch in Geschichte zu. In einem blitz Tempo sind wir ein Mal durch die japanische Geschichte gereist und wissen heute, dass die älteste Epoche Jomon und die aktuelle Heisei heißt. Und natürlich das es 12 Epochen dazwischen liegen. Auch über andere Dinge hat uns Nageike –sensei aufgeklärt wie über Theater, Religion, Tee Zeremonie und vieles andere was mit der japanischen Kultur zu tun hat. Um 14.40 jeden Uni Tag (wir haben 3) ist die Uni für uns zu Ende.
Nach dem wir unseren Uni Tag hinter uns haben, radeln wir wieder ins „Sweet Home Kaiakn“ zurück. Hier trennen sich die Wege fürs Erste, jeder verschwindet in seinem Zimmer. Bei mir steht jetzt meistens die Kontaktaufnahme nach Deutschland auf dem Plan. Nach paar Stunden der Berichterstattung knurrt der Magen und da klopft es auch schon an der Tür. Friedel steht vor der Tür und fragt wie es mit dem Essen aussieht, was kochen wir heute? Schnell wird geschaut was da ist und aufgeteilt wer was macht. Jetzt bin ich dabei beschäftigt meinen Teil des Essens vor zu bereiten. 45 Minuten später (der Reis braucht ca. 45 Minuten um zu kochen) wird das Essen zusammen getragen und schon kann es los gehen. Nach einem ordentlichen Abendessen darf der Nachtisch bei einer Tasse Tee nicht fehlen. 2 Stunden später ist jeder so satt, dass man sich kaum noch bewegen kann. Aber zum Glück haben wir es ja nicht weit bis zu unseren Zimmern…
In der Zeit zwischen nach Hause kommen und Essen, klopft es mehrmals an der Tür. Mal Maria, um einfach eine Umarmung zu geben. Friedel weil er was wissen möchte. Michael, weil er mal wieder eine Präsi bekommen hat über die er sich aufregt. Pascal der seinen Teekessel abholen möchte…wie ihr seht, es wird nie langweilig bei uns im Kaikan.
Jetzt ist es auch meistens Zeit ins Bett zu gehen. Duschen, Zähneputzen, ein schlechtes Gewissen wegen der Projektarbeit die noch zu schreiben ist, ein letzes Gespräch mit Deutschland und dann gehen im Kaikan bei den meisten die Lichter aus. Aber bei manchen fängt dann erst der Abend erst richtig an und damit fängt die hauseigene Kaikan Soap an….
7 Uhr…der Wecker klingelt …Die Darsteller der Soap erwachen langsam um den neuen Tag zu beginnen.
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